Open Telekom Cloud für Geschäftskunden

„Für die Filmbranche wird die Cloud selbstverständlich“

von Redaktion

Für die Gäste des medientreffs 2018 war es ein denkwürdiger Tag. Denn in Babelsberg wurde das volumetrische Videostudio präsentiert, das die Art und Weise verändert, wie sich Bewegtbilder produzieren und künftig konsumieren lassen. Der begehbare Film wird Realität – und die Cloud soll dabei eine wesentliche Rolle spielen. In einem Proof of Concept hat die UFA bereits die ersten Tests eines Produktions-Workflows über die Open Telekom Cloud realisiert. Journalist Wolf Siegert sprach dazu mit zwei Menschen, die jeweils Experten für Cloud und Film sind: Sven Bliedung, Geschäftsführer der Volucap GmbH, die das erste kommerzielle volumetrische Studio betreibt, sowie Ralf Hülsmann, verantwortlich für den Aufbau des Cloud-Portfolios für die Medientechnologie bei T-Systems. Lesen Sie hier das Transkript des Gesprächs:

Wolf Siegert: Erste Frage an Sie, Sven. Haben wir mit dieser Entwicklung, die wir zum ersten Mal auf dem europäischen Festland zum Fliegen gebracht haben, eine Entwicklung nach Deutschland  zurückgeholt, die in Deutschland mal ihren Ursprung genommen hat?

Sven Bliedung: Wenn man auf die Entwicklung der Filmgeschichte zurückblickt, dann ist natürlich Deutschland schon einer der Vorreiter gewesen. Schon damals, vor vielen Jahren. Und was man sagen muss, ist, dass es natürlich auch jetzt in diesem Fall so ist, dass wir nicht warten wollten, bis woanders die Geschichte geschrieben wird oder dort entschieden wird, wie das ganze genutzt und aufgebaut wird. Und deswegen haben wir gesagt, dass wir vorne mit dabei sein wollen, diese Technologie mit unterstützen und dadurch entwickeln und aufbauen werden.

Wolf Siegert: Ralf, wir haben einmal gesagt: Film geht nicht mehr ohne 35 Millimeter. Aber heute geht Film nicht mehr ohne Cloud. Ist das übertrieben zusammengefasst?

Ralf Hülsmann: Ich glaube perspektivisch ist das genau die richtige Aussage. Die Kunden, die Konsumenten, die sitzen heute hinter einem IP-TV, die sitzen vor OTT [Anmerkung der Redaktion: Over-the-top Content]. Selbst, wenn ich heute in einem Flugzeug sitze, ist das Entertainment-System IP-basiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir den gesamten Workflow aus Production, Post-Production und Play-out in die Cloud verlagern müssen, wenn wir die Kunden erreichen wollen und kosteneffizient bleiben und die Zusammenarbeit in den heutigen Systemen verbessern wollen, dann ist sicherlich Cloud die Plattform der Zukunft. Und ist das heute schon so? Unseren Umsätzen kann man das jetzt leider so noch nicht entnehmen. Wenn man Analysten glaubt, wird es in den nächsten drei bis fünf Jahren eine erhebliche Bewegung in diese Richtung geben.

Wolf Siegert: Sven, ich glaube ich verrate auch nicht zu viel, wenn ich gleich davon ausgehe, dass im ersten Jahr schwarze Zahlen geschrieben werden. Wo sehen Sie auch wirtschaftlich die interessanten Perspektiven bei dieser neuen Entwicklung?

Sven Bliedung: So ein großes Unterfangen in einer solch großen Dimension unternimmt man ja nicht einfach aus dem Bauch heraus. Das wird natürlich gemacht mit einer sehr genauen Prüfung, wie der Markt aussieht, wie die Entwicklung ist. Und was wir festgestellt haben, ist, dass die Nachfrage was die ganzen Medien, also die ganzen Endgeräte für den Verkauf, für den begehbaren Film, für virtuelle Umgebungen, für Mixed Reality enorm zugenommen haben. Das heißt: Die Zahlen haben sich in den letzten Jahren teilweise verdreifacht, vervierfacht, was die Verkaufsstatistiken betrifft.

Was wir sehen, ist, dass es extrem viel Geräte gibt. Gerade Ende dieses Jahres wird wieder eine komplett neue Welle rauskommen, von Geräten, die wieder die doppelte Auflösung haben im Vergleich zu dem, was wir heute auf dem Markt kennen. Und das ist eine extrem schnelle Entwicklung, es gibt lauter Geräte, aber was fehlt, ist der Content. Und das ist der entscheidende Punkt: Es muss jetzt auch sinnvoller Content entstehen. Und der muss auch in großem Spektrum produziert werden. Und ich rede da nicht von ein-zwei Experiences, die man sich irgendwo anschaut. Sondern ich rede wirklich von der großen breiten Masse. Und so wie ich das derzeit einschätze und sehe, ist das so, dass die derzeitige Situation, ein Studio überhaupt nur in Deutschland zu haben, viel zu wenig sein wird, für das, was in den nächsten Jahren anstehen wird.

Wolf Siegert: Wir sind deshalb auch nicht ohne Grund in Babelsberg mit dem Projekt gelandet. Denn das ist ja wirklich die Wiege für Content, wie es heute heißt, mit der deutschen Geschichte und mit allem, was wir in Deutschland mit der UFA in den letzten 100 Jahren erlebt haben. Aber die UFA und auch das Studio selber sind heute privilegierte Partner in diesem neuen Geschäft. Ich glaube, es gibt ja auch schon die ersten Versuchsstrecken, die sich in dem Moment auch schon zeigen lassen, oder?

Sven Bliedung: Genau. Es hat ja im Vorfeld schon die ersten Prototypen und Testproduktionen direkt mit der UFA gegeben, wo wir natürlich auch viel gelernt haben aus den Produktionsabläufen, was wichtig ist, was für Regisseure wichtig ist, für die Produktion an sich. Das ist jetzt alles in das neue Studio der Volucap eingeflossen. Für uns ist es wichtig, dass man als Produzent von der ganzen Technik nicht viel Ahnung haben muss. Man kann sich dort reinbegeben, in die Aufnahmezone, man hat keinen Green-Screen, keine Tracking-Marke, man braucht davon nichts. Man stellt sich rein, steht im Grunde wie in einem weißen Raum, und alles wird aufgezeichnet. Und danach ist der Take im Kasten, man bekommt die 3-D-Daten und kann direkt weiterarbeiten. Wir haben versucht, es so einfach wie möglich zu machen und auch für die Schauspieler mit so wenig Ablenkung wie möglich zu gestalten und natürlich auch eine gewisse Leichtigkeit reinzubringen. Dass der Schauspieler sich wohl fühlt und in diesem Studio auch die Performance bringen kann, die wirklich notwendig ist. Das Umfeld spielt natürlich auch eine enorme Rolle für den Schauspieler. Das war uns enorm wichtig.

Wolf Siegert: Und das ist glaube ich auch eine Ihrer wesentlichen Aufgaben auch in Ihrer bisherigen Zusammenarbeit mit der UFA gewesen, dass Sie versucht haben, hier auch dieses neue, nicht nur im Netz sondern sozusagen durch das Netz definierte Konzept auch wirklich auf die Schiene, auf die Leitung und auf ins Netz der Zukunft zu bringen. Ist das so richtig?

Ralf Hülsmann: Erst einmal muss man wahrhaftig festhalten: Dieser Standort ist ja hier sehr innovationsgeneigt. Das kann man sicherlich auch für die UFA innerhalb des Bertelsmann-Konzerns sagen, wenn es um Content-Produktion und Methoden dafür geht. Und – der Satz gefällt mir sehr gut – dass die Produktion quasi im Netz stattfindet, in der Cloud. Es ist in der Tat gerade ein erfolgreicher Proof of Concept mit der UFA abgelaufen, bei dem wir Daten schon in der Produktion auf Speichersysteme, die die UFA schon immer benutzt hat, packen, diese automatisch einen Abgleich in die Cloud schaffen, damit landen sie automatisch in der Post Production hier in Babelsberg, damit sind die automatisch verfügbar für alle Freelancer, die vielleicht noch mit einem Laptop individuell drauf zugreifen. Und ich habe die Option, natürlich dann künftig noch Prozesse draufzusetzen wie Schnitt in der Cloud. Oder ich kann Versionierung, Back-up und so weiter optimieren.

Wolf Siegert: Wenn wir in dem Land leben würden, in dem das Wünschen noch geholfen hatte, und wir sind ja in Babelsberg, was wäre Ihr – vielleicht nicht nur heimlicher – Wunsch, den sie gerne die nächsten Jahre umsetzen würden?

Sven Bliedung: Also mein größter Wunsch ist, dass ich wirklich irgendwann mehrere virtuelle Assistenten habe, die sich um diese ganzen alltäglichen Belange, um die ich mich nicht kümmern möchte, kümmern werden, und diese möglichst als digitale, als virtuelle Avatare um mich herumstehen. Das heißt, wenn ich etwas kaufen möchte, dass ich einfach diesen virtuellen Assistenten informieren kann, der dann sofort losrennt, sich darum kümmert, und ich mich um die Dinge im Leben kümmern kann, die mir Spaß machen, oder mich wirklich vorantreiben.

Wolf Siegert: Ralf hatte jetzt bereits die Möglichkeit, darüber nachzudenken. Und ich glaube, er hat auch schon eine Idee.

Ralf Hülsmann: Ja, ich finde die Zeit, in der wir uns gerade befinden, unglaublich. Weil man am Ende ja alles, was man irgendjemandem verkauft, einem Konsumenten verkauft, einer Privatperson. Geschäfte macht man mit Menschen. Die Visionen, die sind ja perfekt. Damit das funktioniert, braucht man dahinter eine bestimmte Technologie. Diese Technologie ist so etwas wie Big Data und künstliche Intelligenz. Die in der Medienbranche zum Beispiel genutzt wird, für eine Gesichtserkennung oder so etwas. Aber die digitalen Assistenten, das hat die IT ja gerade geschaffen. Wir befinden uns aber gerade an dem Punkt, wo die Medienindustrie und die IT-Industrie quasi einen Merger haben. Die Lösungen sind nicht mehr der Eine oder der Andere, sondern es sind gemeinschaftliche Lösungen. Das finde ich total spannend im Moment.

Sven Bliedung: Vielleicht kurz noch eine Ergänzung dazu: Man muss halt sehen, dass das, was jetzt geschaffen wird, wirklich grundlegende Technologien sind. Also das, was für uns heute eine Kamera ist, mit der man was filmt. So wird die Cloud später auch in der Zukunft eine Basis sein. Da wird keiner mehr darüber nachdenken, und keiner wird mehr von der Cloud sprechen. Jeder nutzt es einfach. Und das gleiche sehen wir auch mit den ganzen Capture-Systemen, was wir jetzt hier haben. Keiner wird mehr darüber reden, ‚was hast Du da für eine Kamera‘ oder so, sondern die Leute wollen irgendwo hingehen, die wollen was erleben, sie wollen eine Experience haben, die wollen im Film drin sein, die wollen den Film begehbar machen.

Und ob die ganzen Daten dann über eine Cloud reingeladen werden, wie die Technik dahinter aussieht, wo es aufgenommen wird, das wird später keinen mehr interessieren. Jetzt am Anfang ist es natürlich ein sehr spannendes Thema, weil es so neu ist und kaum jemand Erfahrungen damit gemacht hat. Aber langfristig gesehen wird das eine Basistechnologie werden, mit der nachher alle Menschen arbeiten. Und die den Alltag komplett durchziehen wird.

Das Interview vom medientreff 2018 steht online als Audiodatei zum Anhören zur Verfügung.


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